TO TOP

Current Teaching

 In the summer semester 2026, the Chair of Technology and Environmental History is offering the following courses:

Hauptseminar: Von Mad Scientists und anderen Erfinder*innen: Technikgeschichte in audiovisuellen Medien (040164)

Von Metropolis (Fritz Lang, DE 1927), Frankenstein (James Whale, US 1931) und Back to the Future (Robert Zemeckis, US 1985) über Hidden Figures (Theodore Melfi, US 2016) und Marie Curie (Marjane Satrapi, UK 2019) bis hin zu Oppenheimer (Christopher Nolan, US/GB 2023) und The Fallout (Amazon Prime, seit 2024): Wie werden (natur-)wissenschaftliche Erfindungen in Film-, Fernseh- und Streamingproduktionen dargestellt? Was wird hervorgehoben, was weggelassen; woran (und an wen) wird erinnert? Welches Bild von Erfindern wird darin perpetuiert bzw. erst konstruiert? Sind Erfinderfiguren in Filmen und Serien eher Helden oder Bösewichte – und wie steht das gegenwärtig besonders populäre Genre des Biopic eigentlich zur (historischen) Biografieforschung? Welche Rolle spielen Repräsentationen von Geschlecht(erverhältnissen) in Audiovisionen zur Technikgeschichte oder, polemisch gefragt: Wo bleiben eigentlich die Erfinderinnen?
 
In diesem Hauptseminar befassen wir uns zunächst grundlegend mit theoretisch-methodischen Fragen des Umgangs mit audiovisuellen Produktionen als Quellen für die Geschichtswissenschaft. Nach einem Crashkurs zu filmästhetischen Mitteln sowie zu filmischem und seriellem Erzählen wenden wir uns speziell der Inszenierung von (natur-)wissenschaftlichen Erfindungen zu, die sich zumeist über technikhistorisch als bedeutsam geltende Figuren und Ereignisse vollzieht. Dies setzt voraus, dass wir uns auch mit ‚klassischen‘ wie neueren Ansätzen und Narrativen der Technikgeschichtsschreibung auseinandersetzen. Erst dann werden wir herausarbeiten können, welche Beiträge die Darstellungen von Erfinder*innen in Film- und Fernsehproduktionen bzw. Streaming-Angeboten leisten (wollen) – oder auch nicht. Hierfür werden ausgewählte Fallbeispiele im Mittelpunkt des zweiten Teils des Hauptseminars stehen: mehrheitlich fiktionale Formate unterschiedlicher Entstehungszeiten. 

Dienstag 08:00 – 10:00 Uhr
Erste Sitzung 14.04.2026
GABF 05/707
PD Dr. Caroline Rothauge

Hauptseminar: Kolonialismus in „Deutsch-Südwestafrika“: Fantasien, Besiedelung, Nachwirkungen (040165)

1884 wurde „Deutsch-Südwestafrika“ – das heutige Namibia – zum „Schutzgebiet“ erklärt. Getragen von imperialen und rassistischen Expansionsbestrebungen sowie der Hoffnung auf ökonomische Gewinne wurde Kolonialpolitik wissenschaftlich gerahmt und legitimiert; Kolonialgesellschaften warben gezielt für Auswanderung und Landnahme. Die Erwartungen an agrarische Prosperität, extensive Viehzucht und reiche Bodenschätze erfüllten sich jedoch nur begrenzt. Stattdessen führte das Deutsche Reich zwischen 1904 und 1908 einen Kolonialkrieg, der im Völkermord an den OvaHerero und Nama gipfelte. 
Mit dem Ende der deutschen Herrschaft 1915 verschwanden koloniale Ambitionen nicht. In revisionistischen Kontexten lebten sie fort und wurden in wissenschaftlicher Literatur, Koch- und Erinnerungsbüchern, sogenannten Kolonialromanen oder Kolonialschulen und in Kinderspielzeug sowie Liedern (re-)produziert. Vorstellungen deutscher Vorherrschaft und eines dezidiert Weißen Führungsanspruchs in ‚Südwest‘ hielten sich bis weit ins 20. Jahrhundert – in Siedlergemeinschaften vor Ort ebenso wie in Teilen der deutschen Öffentlichkeit.
Im heutigen Namibia werden der Völkermord, die Landfrage sowie Entschädigungsforderungen öffentlich diskutiert. 2021 hat die deutsche Bundesregierung den Genozid an den OvaHerero und Nama offiziell anerkannt und weitere „Verantwortung“ für die kolonialen Gewaltverbrechen in Aussicht gestellt. Dennoch verlaufen die bi- bis multilateral geführten Verhandlungen weiterhin konflikthaft und schleppend.

Diesem kurzen Abriss entsprechend will sich das Hauptseminar erstens mit den Vorstellungen und Ambitionen befassen, die das deutsche koloniale Projekt in Südwestafrika begleiteten, und dabei vor allem der Frage nachgehen, warum diese so nachhaltig zu verfangen vermochten. Zweitens untersucht es die (infra-)strukturellen und materiellen Begebenheiten der Besiedelung vor Ort, darunter die Boden- und klimatischen Verhältnisse und bestehende Formen der Landnutzung. Drittens stehen die Nachwirkungen der kolonialen (Gewalt-)Geschichte sowie erinnerungspolitische Anerkennungs- und Aushandlungsprozesse bis in die Gegenwart im Mittelpunkt.

Mittwoch 08:00 – 10:00 Uhr
Erste Sitzung 15.04.2026
GA 04/149
PD Dr. Caroline Rothauge

Hauptseminar: Zeit(en) – Vorstellungen, Materialitäten, Anwendungen (040166)

Der Blick auf die Uhr – sei sie analog oder digital –, das Reisen durch Zeitzonen wie auch das Klagen über stete Beschleunigung sind uns alltägliche, in der Regel kaum hinterfragte Begleiter. Befasst man sich jedoch genauer mit ‚Zeit‘, so wird schnell klar, dass Konzepte, Definitionen und Verwendungsweisen kontextgebunden, also wandel- und historisierbar sind. In diesem Hauptseminar sollen Potenziale und Grenzen eines temporal turn – der Hinwendung zu ‚Zeit‘ als analytischer Kategorie – in der Neueren und Neuesten Geschichte mit Hilfe von Quellen und Literatur ausgelotet werden.
 
Darunter fällt zum einen die Beschäftigung mit Vorstellungen eines linearen und kontinuierlich voranschreitenden Zeitstrahls. Dieses Modell ist im Westen grundlegend geworden für das Verständnis von ‚der Geschichte‘ und ihrem Verlauf, für Konzeptionen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie für eine bestimmte, als prinzipiell fortschrittlich erachtete ‚Moderne‘. Damit einhergehende, eher theoretische Fragestellungen sind in der Geschichtswissenschaft bereits häufiger diskutiert worden und haben aufgrund der populären These einer Beschleunigung als der modernen Zeiterfahrung wiederholt Konjunktur erfahren.
Daneben lässt sich eine „Zeit(en)-Geschichte“ (Geppert/Kössler; Landwehr; Rothauge; Steglich) ganz alltagsnah betreiben: Vorstellungen von und Formen des Umgangs mit ‚Zeit‘ sind untrennbar verbunden mit Materialitäten – angefangen bei Sonne und Gestirnen, Kalendern und Uhren – sowie mit Handlungen, wie Essen, Arbeiten oder Schlafen. Erst in den letzten Jahren sind diese Verflechtungen verstärkt in den Fokus geschichtswissenschaftlicher Untersuchungen gerückt. Sie vermögen neue Perspektiven darauf zu eröffnen, wie Zeitgenoss*innen ihre jeweilige Lebenswelt wahrnahmen und organisierten, nicht zuletzt in Relation zu ihrer Umwelt sowie in Koordination mit ihren Mitmenschen. Zeitgestaltung ist damit stets auch eine Frage von Macht: Wer gibt Zeitdefinitionen vor? Wer kontrolliert Zeitordnungen und wie werden Zeitangaben (wem) vermittelt? Welcher Zeitgebrauch gilt als richtig bzw. wichtig und warum?

Dienstag 16:00 – 18:00 Uhr
Erste Sitzung 14.04.2026
GABF 05/707
PD Dr. Caroline Rothauge

ÜF: Zoos, Aquarien, Planetarien: wissens-, technik- und umweltgeschichtliche Annäherungen (040199)

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde ‚Welt‘ im Rahmen internationaler Leistungsschauen ausgestellt, während sich zoologische Gärten in den westlichen Industrieländern zu den populärsten Schaustätten von „Naturkunde“ entwickelten. Hinzu kamen – im Zeichen des von Werner Siemens 1886 proklamierten „naturwissenschaftlichen Zeitalters“ – sogenannte „Volkssternwarten“. Bereits diese Bezeichnung verweist auf die Überzeugung, dass die Vermittlung (naturwissenschaftlichen) Wissens an eine breitere Öffentlichkeit zu einem bürgerlich-liberalen Wertekanon gehöre.
Die Vorläufer heutiger Zoos, Aquarien, Planetarien, Technikmuseen und Science Center sind somit in spezifischen historischen Kontexten eines als ‚lang‘ verstandenen 19. Jahrhunderts zu verorten. Die Übung nähert sich diesen Institutionen aus wissens-, technik- und umweltgeschichtlicher Perspektive und bezieht zudem Ansätze der Human-Animal Studies sowie der Populärkulturforschung ein. Auf dieser Grundlage lassen sich Kontinuitäten und Veränderungen in den ambivalenten Konstellationen der Zurschaustellung eines Wissens über ‚die Natur‘ untersuchen. So waren gemeinverständliche Präsentationen naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und Objekte stets verknüpft mit zeitgenössischer „Vergnügungskultur“ – und somit mit Fragen danach, welchen Schauwert und welche Möglichkeiten ‚zum Anfassen‘ oder gar zum eigenen Experimentieren diese bieten sollten bzw. durften. Sie waren also zutiefst verwoben mit Diskussionen über Möglichkeiten und Grenzen einer Popularisierung von (Natur-)Wissenschaft. Auch waren diese Stätten und Inszenierungen zwar Ausdruck eines Glaubens an wissenschaftliche Rationalität, jedoch keineswegs frei von Klassismus, Sexismus und Rassismus. Beispielsweise wurden in den Zoos des Deutschen Reichs um 1900 nicht nur Tiere, sondern im Rahmen sogenannter „Völkerschauen“ auch Menschen ausgestellt.

Um Einblicke in gegenwärtige Formen astronomischer Wissenspopularisierung zu gewinnen, ist eine Exkursion in das Planetarium Bochum geplant.

Mittwoch 16:00 – 18:00 Uhr
Erste Sitzung 15.04.2026
GABF 04/711
PD Dr. Caroline Rothauge

Kolloquium: Forschungskolloquium zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (040241)

In diesem Forschungskolloquium werden aktuelle Arbeiten zur Geschichte des 20. Jahrhunderts sowie zu Technik- und Umweltgeschichte vorgestellt und diskutiert. Die Studierenden erhalten dadurch einen Einblick in laufende Forschungsvorhaben sowie in die Praktiken des historischen Forschens.

Mittwoch 18:00 – 20:00 Uhr
Erste Sitzung 15.04.2026
GA 04/149
PD Dr. Caroline Rothauge und Prof. Dr. Constantin Goschler

Seminar: Wissen für alle? Die Geschichte der Open-Access-Bewegung zwischen Demokratisierung und Kapitalismus (040089)

Der Status von ‚Wissen‘ ist heute so ambivalent wie nie zuvor: Chatbots liefern Antworten auf nahezu jede erdenkliche Frage und stehen allen mit Internetzugang zur Verfügung. Ihr Betrieb aber liegt in den Händen weniger Softwareunternehmen, deren Dienste in reduzierter Form kostenlos, in umfassender Weise nur zahlungskräftigen Kunden zugänglich sind. Zugleich ist unklar, ob das, was Large Language Models ausgeben, überhaupt als ‚Wissen‘ gelten kann, während das Material, mit dem sie trainiert wurden, häufig unter Urheberrechtsschutz steht. ‚Wissen‘ erscheint damit zugleich als Ware, Ressource und Gemeingut und bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Kapitalismus, Demokratie und Aktivismus.
Die heutigen Konflikte um Eigentum, Zugang und Qualität von Wissen sind jedoch keineswegs neu. Seit der Entstehung moderner Wissenschaft im 17. Jahrhundert wurde immer wieder darum gerungen, wem Wissen gehören, wer es verbreiten und wer darauf zugreifen sollte. Die Open-Access-Bewegung, die seit den 1990er Jahren für freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen kämpft, ist ein besonders sichtbarer Ausdruck dieser Auseinandersetzungen. An ihrem Beispiel fragt das Seminar nach der Demokratisierung wissenschaftlichen Wissens in der Wissensgesellschaft, indem es den Blick auf die Infrastrukturen seiner Verfügbarmachung richtet: Bibliotheken, Verlage, Archive, Datenbanken, persönliche Netzwerke, DIY-Publikationen sowie Druck-, Kopier- und Digitaltechnologien.
Leitfragen sind: Wie veränderten unterschiedliche Infrastrukturen der Bereitstellung die Ordnung von Wissenschaft, Öffentlichkeit, Staat und Markt? Warum wurde wissenschaftliches Wissen seit den 1970er Jahren zunehmend unbezahlbar? Welche Rolle spielt politischer Aktivismus für die Idee frei zugänglichen Wissens? Und: Ist Open Access letztlich Ausdruck einer Befreiung oder nur ein neues Geschäftsmodell?

Mittwoch 14:00 – 16:00 Uhr
Erste Sitzung 15.04.2026
GA 5/39 Zeitungslesesaal
Dr. Lukas Held

ÜMT: Die Geschichte der Gegenwart schreiben (040117)

Seit einigen Jahren wird unsere Gegenwart auffällig häufig als historisch gedeutet: Politiker:innen sprechen von einer „Zeitenwende“ (russischer Angriff auf die Ukraine), Historiker:innen vom Ende vertrauter Ordnungen (unter Trumps Außenpolitik) und Journalist:innen von einer Wiederkehr der Vergangenheit (Erstarken rechter Kräfte). Wenn Geschichte nicht nur in die Gegenwart hineinragt, sondern diese sich zunehmend ihrer eigenen Geschichtsträchtigkeit bewusst wird, sind Historiker:innen in besonderer Weise herausgefordert.
Doch was heißt es eigentlich, gegenwärtiges Geschehen historisch zu deuten? Welche Perspektiven, Begriffe und Methoden stehen dafür zur Verfügung und wie unterscheiden sie sich von journalistischen Vorgehensweisen? Was ist historische Orientierung überhaupt und wie verhält sich eine „Geschichte der Gegenwart” zum Gebot der historischen Distanz?
Neben einschlägigen Positionen aus der Zeitgeschichtsschreibung diskutieren wir anhand von Beispielen und praktischen Übungen, was es heißt, Gegenwart in Echtzeit zu beobachten und ihre mediale Vermittlung zu reflektieren. Studierende lernen, politische Reden, Tageszeitungen, Social-Media-Posts, Podcasts, Dokumentarfilme und zeitdiagnostische Essays als Quellen der Gegenwart zu lesen und über die Tagesaktualität hinausweisende Deutungen zu entwickeln.

Dienstag 12:00 – 14:00 Uhr 
Erste Sitzung 14.04.2026
GABF 04/514
Dr. Lukas Held