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Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2025/26

Vorlesung: Modern Times? Zeit(en) seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (040016)
Was genau ist mit einer Geschichte von Zeit(en) gemeint, was will und was kann sie? 
Antworten darauf werden in dieser Vorlesung sowohl auf theoretisch-konzeptueller Ebene gegeben als auch veranschaulicht, vornehmlich anhand von Beispielen aus der deutschen und europäischen Geschichte eines als ‚lang‘ verstandenen 19. Jahrhunderts. Darunter fallen Debatten über Arbeitszeitverkürzungen, Meridianfragen, Ideen von „Welt-“ bzw. „Stundenzonenzeiten“, technisch-materielle Aspekte der Zeitverteilung sowie Überzeugungen zu „Zeitdieben“ und Pünktlichkeit. Ein Schwerpunkt wird dabei auf einer Geschichte von Zeit(en) seit etwa 1870 bis kurz nach dem Ersten Weltkrieg liegen: Zeitfragen waren dann im internationalen und nationalen Rahmen, auf regionaler und lokaler Ebene omnipräsent und intensivierten sich quer durch die westlichen Gesellschaften, da zahlreiche Zeitgenossinnen und Zeitgenossinnen von ihnen betroffen waren und sich entsprechend an ihrer Diskussion beteiligten.

PD Dr. Caroline Rothauge

Hauptseminar: Großbauten, Infrastrukturen und Propaganda im Franco-Spanien (040181)
Am 20. November 2025 jährt sich der Tod des Diktators Francisco Franco zum fünfzigsten Mal. Der Umgang mit seiner Person und dem nach ihm benannten, fast vierzig Jahre währenden Regime ist in Spanien seit einiger Zeit Gegenstand hitziger Diskussionen – sowohl auf parteipolitischer als auch auf gesamtgesellschaftlicher Ebene. Kontroversen sind unter anderem um das Valle de los Caídos (dt.: „Tal der Gefallenen“) entbrannt: eine monumentale Anlage im Guadarrama-Gebirge, die Franco als Siegesmonument und Mausoleum konzipieren ließ und von einem 142 Meter hohen Kreuz überragt wird. Für Großbauten wie diese, aber auch für Infrastruktureinrichtungen wie den Canal del Bajo Guadalquivir, wurden während des Frühfranquismus Zwangsarbeiter eingesetzt. Daneben sollte der Estado Nuevo (dt.: „Neuer Staat“) mittels Stadtplanung repräsentiert und befördert werden – angefangen bei Madrid bis hin zu neu gegründeten Dörfern im ländlichen Raum. Von einer Kontrolle der Medien wiederum – darunter Presse, Rundfunk und Film mit der Wochenschau NO-DO – versprach sich der franquistische Staat, Versatzstücke seiner Ideologie propagandistisch überhöhen und verbreiten zu können. 
Diese und weitere Beispiele wollen wir im Rahmen des Hauptseminars zum Anlass nehmen, infrastruktur-, medien- und umweltgeschichtliche Ansätze mit Perspektiven der (Neuen) Kulturgeschichte und der kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung zu verknüpfen, um folgenden Leitfragen nachzugehen: Wie wurden Materialitäten und Ideologisches im Franquismus miteinander verknüpft, von wem und zu welchem Zweck? Welches Nachleben haben die während des Franquismusʼ initiierten Bau- und Infrastrukturprojekte bzw. die Idee einer staatlich kontrollierten Medienlandschaft samt der von ihr generierten Inhalte? 
Um eine fundiert-kontextualisierte Auseinandersetzung mit diesen Leitfragen zu ermöglichen, werden wir uns zu Beginn des Hauptseminars einen Überblick über die franquistische Diktatur erarbeiten.

PD Dr. Caroline Rothauge

Hauptseminar: Von Kühlschränken, Kochbüchern und Kochkisten – Technik(en) im Haushalt (040180)
… oder, in heutigen Worten: von Heißluftfritteuse, Youtube-Kochvideos und dem Thermomix. In jedem genannten Fall ging und geht es um Techniken und Medien, die Verbesserungen in der Organisation und Durchführung dessen versprachen und versprechen, was sich in westeuropäischen und nordamerikanischen Industrieländern historisch als ‚Haushalt‘ ausprägte. Dabei kreisten und kreisen die Erwartungen rund um deren Einsatz immer wieder um Sparsamkeit, Ordnung, Effizienz und allgemeiner um eine Steigerung des Lebensstandards, sei es auf sozioökonomischer, moralischer oder ‚hygienischer‘ Ebene – und nicht zuletzt um die Aushandlung von Geschlechterrollen. Im alltäglichen Umgang mit diesen Techniken und Medien im Haushalt geschahen und geschehen jedoch oftmals andere Dinge als gedacht. So boten und bieten Mietwohnungen etwa kaum Raum für separate Küchen oder umfassende Kücheneinrichtungen. Waschmaschinen waren für lange Zeit zu teuer, zu groß und zu umständlich zu bedienen bzw. zu befeuern, um in Privathaushalten weite Verbreitung zu finden. Zudem bestanden und bestehen Vorbehalte gegenüber synthetischen Waschmitteln. Kochbücher wiederum wurden und werden selten linear von vorne bis hinten gelesen, sondern dienten und dienen häufig als selektiv rezipierte Inspirationsquelle oder auch zum (Weg-)Träumen.
In diesem Hauptseminar sollen Techniken und Medien daher als Ausgangspunkt dienen, um folgenden Fragen nachzugehen: zum einen der, wer sich in welchen Kontexten genau was vom Einsatz bestimmter Haushaltstechniken versprach. Damit verbunden soll sich der Fokus im Seminar immer wieder darauf richten, was eigentlich unter ‚Haushalt‘ verstanden wurde – und wer jeweils als zuständig dafür galt oder gelten sollte. Zum anderen wollen wir der tatsächlichen Nutzung und dem praktischen Umgang mit diesen Techniken und Medien im Alltag nachspüren, und diese Beobachtungen mit den zuvor erarbeiteten Vorstellungen, Gesellschaftsutopien und/oder Marketingstrategien in Beziehung setzen. Zur theoretisch-methodischen Fundierung werden wir fortlaufend Perspektiven diskutieren, die – im Zusammenspiel mit technik- und mediengeschichtlichen Zugängen – besonders geeignet sind, um den genannten Leitfragen nachzugehen. Seminarbegleitende Exkursion(en) in die Bibliothek des Deutschen Kochbuchmuseums in Dortmund sind geplant.

PD Dr. Caroline Rothauge

Übung: Warum Sinnesgeschichte: eine Frage des Geschmacks? (040206)
Warum Sinnesgeschichte? Warum sollte man sich als Historiker*in – neben klassischen schriftlichen und bildlichen Quellen – auch mit Geräuschen und Klängen, Gerüchen, Geschmäckern und haptischen Eindrücken beschäftigen? Welche Zusammenhänge bestehen zwischen sinnlicher Wahrnehmung und soziokulturellen Ordnungsvorstellungen, etwa im Rahmen von Modernisierungstheorien oder in kolonialen Herrschaftsverhältnissen? Welche technischen und medialen Voraussetzungen wirken auf sinnliche Erfahrung ein, und wie haben sich diese im diachronen Wandel verändert? Und wie lassen sich die Sinne – also das Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten – überhaupt aus geschichtswissenschaftlicher, sprich quellenkritischer, Perspektive untersuchen? 
Im Verlauf der Übung sollten Antworten auf diese Fragen anhand konkreter Fallbeispiele erschlossen werden – denn Sinn wird keineswegs nur über Texte hergestellt, sondern folgt oft ganz anderen Logiken. Gerade die methodische Auseinandersetzung mit Sinnesgeschichte verweist allerdings häufig doch wieder zurück auf… Texte. In dieser Übung wollen wir daher auf quellen- und literaturbasierter Grundlage die Möglichkeiten und Grenzen einer geschichtswissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Sinneserfahrungen ausloten.

PD Dr. Caroline Rothauge

Seminar: Jenseits von Markt und Staat: Neue Formen des Politischen im Zeitalter der Fragmentierung (1980-2010) (040086)
Urteile über den Zustand westlicher Demokratien fallen seit geraumer Zeit pessimistisch bis düster aus: sie durchlaufen entweder eine Midlifecrisis (Runciman) oder liegen im Sterben (Levitsky/Ziblatt). Als Ursachen gelten neben autoritären Bedrohungen von rechts – etwa durch Orban in Ungarn, Trump in den USA, Erdoğan in der Türkei, Modi in Indien oder Putin in Russland – ebenso der seit den 1980er Jahren zu beobachtende Mitgliederschwund politischer Massenorganisationen, die Fragmentierung der Öffentlichkeit, schwindender Gemeinsinn, die Entmündigung des Staates durch entfesselte (Finanz-)Märkte und das verbreitete Gefühl, politisches Engagement sei vergeblich, der Gang zur Wahl folgenlos – beides nicht mehr als ein ritualisiertes Medienspektakel (Jäger).
Dieser Befund verdeckt jedoch, dass parallel zu diesen Entwicklungen eine Suche nach neuen Formen des Politischen stattfindet – nach alternativen Weisen kollektiver Weltgestaltung jenseits von Staat und Markt. Das Seminar folgt den vielfältigen Suchbewegungen gesellschaftlicher Akteure – beginnend bei den Friedens- und Hausbesetzerbewegungen am Ende des Kalten Krieges, über die Anti-Globalisierungsbewegung, queere Identitätspolitik und die cyberkulturellen Utopisten der 1990er Jahre, bis hin zur Commons-Bewegung und den Konzepten einer ‚Liquid Democracy‘ im frühen 21. Jahrhundert. Studierende erhalten zudem einen Überblick über zentrale zeitgenössische Debatten, wie jene um das «Ende der Geschichte», den Neoliberalismus und den Aufstieg des Internets. Die leitende Doppelthese lautet: Die Krise der Demokratie ist erstens eine Krise der Repräsentation und zweitens nicht mit einer Krise des Politischen an sich gleichzusetzen. 
Wie die neue Politikgeschichte dieses Verständnis des Politischen aufgreift und den Blick jenseits des institutionellen Politikbetriebs erweitert, wird ein wiederkehrendes Thema unserer Diskussionen sein.

Dr. Lukas Held

ÜMT: Einführung in die Science and Technology Studies (040120)
Die Übung führt in das interdisziplinäre Forschungsfeld der Science and Technology Studies (STS) ein, das die gesellschaftliche Einbettung von Wissenschaft und Technik analysiert. Die Grundfragen lauteten: Wie sind Wissenschaft und Technik mit Gesellschaft und Politik verwoben? Wie hängen Wissen, Innovation und Macht zusammen?
Wir beschäftigen uns mit der historischen Entwicklung des Ansatzes seit den 1970er Jahren, erarbeiten zentrale Theorien, Begriffe und Konzepte und wenden diese auf umweltgeschichtliche Fragen an. Fragen wie: Welche sozialen Aushandlungsprozesse prägen technische Erfindungen wie das Fahrrad – und welche Vorstellungen von Mobilität und Umwelt werden dabei stabilisiert? Wie wurde Feuer in Nordaustralien zum Instrument einer sowohl wissenschaftlichen wie indigenen Landschaftspflege? Wie entsteht im Urwald am Amazonas Umweltwissen über tropische Böden?
Die Übung umfasst neben der gemeinsamen Diskussion theoretischer Texte auch praktische Quellenübungen.

Dr. Lukas Held

Vorlesung: Welten in Unordnung. Eine Ringvorlesung zum neuen Forschungsschwerpunkt des Historischen Instituts (040015)
Die Ringvorlesung dient als ein Einstieg für den Forschungsschwerpunkt „Dis:Order“. Mehr Informationen zu dem Projekt und zu dem Programm der Ringvorlesung können Sie der Website entnehmen. 

Prof. Dr. Sandra Maß und Prof. Dr. Frank Uekötter

Kolloquium: Kolloquium zur Sozial- und Umweltgeschichte (040243)
Das Programm können Sie hier herunterladen.

20.10.25    Lukas Held (Bochum)
"Utopischer Realismus. Eine politische Wissensgeschichte kollektiver Weltgestaltung im Zeitalter der Fragmentierung, 1970-2020"

27.10.25    Hans-Jürgen Bömelburg (Gießen)
"Lodz, seine deutsch-polnisch-jüdische Erinnerungskultur und Erinnerungsorte in der Stadt (1945-2025)"
-gemeinsam mit der Porta Polonica- 

10.11.25    Kamil Kowalski (Łódż) 
"US Industrial Relations from the Great Depression to the Taft-Hartley Act"

17.11.25    Ingo Heidbrink (Bochum)
"Elektrische Antriebe in der Binnenschifffahrt – zwischen Technik- und Umweltgeschichte"

24.11.25    Ylva Söderfeldt, Julia Reed, Andrew Burchell und Vera Danilova (Uppsala)
"Patientenvereine in Europa im 20. Jahrhundert"
-Digital/per Zoom-

01.12.25    Lasse Heerten (Bochum)
"Streikbrecher im Hamburger Hafen"

08.12.25    Jan-Arend de Graaf (Bochum)
"Europe on Strike. Wildcat Strikes in East and West, 1945-1955"

15.12.25    Thomas Finkemeier (Neuss)
"Heimat und Zeche"

12.01.26    Torsten Meyer (Bochum)
"Rückblick auf die Natur?" - Von "Schlachtfeldern", Welterbe und Unverständnis

19.01.26    Gleb Albert (Luzern)
"Die unternehmerische Maschine. Mikrocomputer und Transformation in Ost- und Westeuropa, 1980er-1990er Jahre"

26.01.26    David Drengk (Bochum)
"Im Schatten der Blätter: Verborgene Krisen im Anbau von Tabak, Tee und Zuckerrohr in Malawi"

02.02.26    Marius Münstermann (Bochum)
"Recherche als Rekonstruktion: Wie investigativer Journalismus und Geschichtswissenschaften globale Zusammenhänge erklären" 

Prof. Dr. Stefan Berger und Prof. Dr. Frank Uekötter

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2025

Vorlesung: Umwelt-, Technik- und Sozialgeschichte Lateinamerikas, 1492-2024 (040009)
Die Vorlesung bietet eine Einführung in die Umwelt-, Technik- und Sozialgeschichte  Lateinamerikas in long-durée Perspektive und unter Berücksichtigung der Transfergeschichte. Sie richtet sich an alle Studierenden ohne Vorkenntnisse der Lateinamerikanischen Geschichte. Die Vorlesung hat zwei Ziele: Erstens zeichnet sie nach wie sich die Mensch-Natur-Technik- Beziehungen seit Ankunft der Europäer seit 1492 veränderten. Zweitens und grundlegender zeigt sie auf, wie sich Mensch-Natur-Technik- Geschichte untrennbar gegenseitig bedingten. Themen umfassen den Einfluss der europäischen Siedler auf die „neue Welt“ (z. B. die Einführung von Krankheiten und Dezimierung der indigenen Bevölkerung, der Import europäischer Pflanzen und Tiere, Siedlungspolitiken und Entwaldung - dem sogenannten „Columbian Exchange“, Crosby 1972); iberische Kolonialherrschaft, Sklaverei und Rohstoffabbau; der sogenannte „developing environmentalism“ seit den 1950ern; sowie die Umwelt-, Technik- und Sozialpolitik der autoritären Regime in den 1960er bis 1980er Jahren.

Dr. Nina Schneider

Hauptseminar: Geschichte der Zuckerplantagen in der Karibik und Brasilien, 18.-20.Jh.: Eine transfergeschichtliche Perspektive (040177)
In diesem Seminar erarbeiten wir uns die Geschichte der Zuckerplantagen und ihrer Krisen in der „größeren Karibik“ (Hispaniola/Haiti, St. Domingue, Brasilien und Cuba). Mit den Portugiesen gelang der Zuckeranbau über die Azoren in die Americas, wo er bald in großem Maßstab angebaut wurde, um den europäischen Zuckerkonsum abzudecken. Dafür wurden Millionen transatlantischer Sklav:innen eingeführt. Zucker war von stragischer Bedeutung für die Kolonialherrschaft. Wir werden uns mit dem Aufgang und Niedergang der Zuckerplantagen auseinandersetzen: Warum erfuhr die Zuckerproduktion im post-revolutionären Haiti einen Niedergang, während sie nebenan auf St. Domingue überlebte? Welche Krisen erlebte die kubanische Zuckerproduktion zwischen dem 19. und 21. Jh.? Wie beeinflusste die Zuckerproduktion Mensch und Umwelt-beziehungen und wie veränderten sich diese im Laufe der Zeit? Dabei werden wir uns kontinuierlich mit großen Forschungsdebatten um den Zucker auseinandersetzen und schauen, inwiefern sie gelöst wurden. Das Seminar richtet sich an alle Studierende ohne Vorkenntnisse der Lateinamerikanischen Geschichte.

Dr. Nina Schneider


Hauptseminar: Industrialisierung und Kinderarbeit in Europa, 17.-20.Jh. (040178)
Welche Zusammenhänge gab es zwischen Technikgeschichte und Kinderarbeit? Hat die industrielle Revolution überall zu mehr Kinderarbeit geführt? Und war ausbeuterische Kinderarbeit in England und Flandern stärker ausgeprägt als in Preußen oder Japan und wenn ja warum? In diesem Seminar werfen wir einen neuen Blick auf die klassische Geschichte der sogenannten industriellen Revolution: Wir analysieren den vielfältigen Zusammenhang zur Geschichte der Kinderarbeit. Wir untersuchen das Ausmaß und die Art der Kinderarbeit sowohl vor als auch nach der industriellen Revolution und ergründen die komplexen Bedingungen, die zu Kinderarbeit geführt haben. Der Fokus liegt insbesondere auf England, Frankreich, Belgien und Preußen. Ziel ist es anhand des Beispiels Kinderarbeit aufzuzeigen, wie eng Sozial- und Technikgeschichte miteinander verwoben sind. Zudem werden wir Mythen zur Geschichte der industriellen Revolution aufdecken und uns mit nach wie vor ungeklärten Diskussionen vertraut machen.

Dr. Nina Schneider


Übung für Fortgeschrittene: Einführung in die Quellenarbeit: Eine Bestandsaufnahme lokaler und regionaler Archive für die Umwelt-, Technik- und Sozialgeschichte (040205) (Blockveranstaltung)
In dieser Übung machen wir eine Bestandsaufnahme von verschiedenen lokalen und regionalen Archiven und erstellen zusammen einen Archivleitfaden. Dabei geht es nicht nur um die Frage, welche Quellenbestände könnten für die Technik-, Umweltgeschichte und Sozialgeschichte relevant sein (z. B. für Hausarbeiten, Abschlussarbeiten oder weiterführende Forschungsarbeiten; für die Lehre (Lehramtsstudierende); oder für Öffentlichkeitsarbeit/Austellungen). Wir wollen uns auch mit den verschiedenen Archivsystemen beschäftigen: Wie gut ist der Zugang für Forschende? Welche Quellen werden hier hauptsächlich archiviert und welche Perspektiven werden hier ausgeschlossen? Ziel der Übung ist es, nicht nur hands-on Quellenarbeit durchzuführen, sondern auch Lust auf Archivforschung zu machen und für Archivpolitik zu sensibilisieren (z. B. Finanzierung von lokalen Archiven).

Dr. Nina Schneider


Seminar: Living Laboratories: Geschichte und Politik partizipativer Wissensproduktion im Feld (040093)
In den Programmen politischer Parteien gewinnt ein neues Instrument an Bedeutung: das Reallabor oder Living Laboratory. Gemeint ist damit ein Experimentierraum zur Erprobung neuer Ansätze und Technologien (vom Grundeinkommen über Wasserstoffkraftwerke bis hin zu neuen Mobilitätskonzepten), in dem unter Einbindung von Behörden, Bürger:innen und Wissenschaftler:innen praxisnahes Wissen generiert wird. Statt riskante Entscheidungen direkt auf gesellschaftlicher Ebene zu treffen, sollen sie zunächst im Kleinen getestet werden. Reallabore zielen auf “regulatorisches Lernen”, das nicht aus historischer Erfahrung, sondern aus experimenteller Beobachtung schöpft und auf diesem Weg – so die Hoffnung – politische Fehler vermeiden hilft.
Doch Reallabore sind kein neues Phänomen. Die aktuelle Diskussion – etwa über Reallabor-Gesetze in Deutschland und Europa – blendet oft aus, dass die “partizipative” Wissensproduktion im Feld eine über hundertjährige Geschichte hat. Sie reicht von der Frühphase des Kalten Krieges bis in die Kolonialzeit zurück, als westliche Wissenschaftler:innen ganze Länder zu Laboratorien erklärten, um unter den dort als günstig gedeuteten Bedingungen ihre Thesen zu testen – häufig zum massiven Nachteil der dort Lebenden und ihrer Umwelt. Das so Gelernte floss dann nicht selten in die politischen Programme westlicher Regierungen ein.
Das Seminar fragt, ob sich der Reallabor-Ansatz von seiner kolonialen und neokolonialen Vergangenheit lösen konnte und warum er heute als Schlüsselinstrument progressiv-nachhaltiger Politik gilt. Diskutiert wird der Wandel zentraler Spannungsverhältnisse über die letzten gut hundert Jahre: Wissenschaft vs. Politik, Beobachtung vs. Teilnahme, Entmündigung vs. Partizipation, regulatorisches Herrschaftswissen vs. aktivistisches Gegenwissen. 

Dr. Lukas Held


ÜMT: Jenseits von Natur und Kultur (040124)
Wir leben nach der Natur. Kein Ort auf unserm Planeten, der nicht vom Menschen geprägt wäre: vom Klima über die Lebensformen bis zur Hydrologie des Bodens und die Chemie der Meere. Aus Natur ist ganz und gar Umwelt geworden, ein Umstand, der seit über zwanzig Jahren mit dem Begriff des Anthropozäns zu fassen versucht wird. Und doch hält sich die Vorstellung einer Trennung zwischen Natur und Kultur bis heute. Das liegt zum einen daran, dass an diesem Gegensatz nicht weniger als unser modernes Selbstverständnis hängt. Zugleich aber hat es auch mit dem noch immer unvollständigen Instrumentarium zu tun, das zur adäquaten Erfassung unserer Umweltkrise geeignet wäre.
In der Übung fragen wir einführend nach der Geschichte des Natur-Kultur Gegensatzes und fokussieren dann auf Räume, die ihn systematisch unterlaufen: Orte wie Katastrophenschutzgebiete, entmilitarisierte Zonen, industrielle Abbaugebiete, Flughäfen, Mülldeponien und Staudämme, aber auch auf Projekte einer tolerierten oder forcierten Wiederverwilderung. 
Leitend wird dabei die These sein, dass sich unser Umweltwissen historisch „im Spannungsfeld zwischen der Errichtung, Optimierung und Wartung von Infrastrukturen und dem politischen Kampf dagegen“ (Nils Güttler) geformt hat und es darum die technischen Landschaften sind, die eine zeitgemäße Umweltgeschichte in den Blick nehmen sollte. Ziel der Übung ist die gemeinsame Diskussion neuer Ansätze zur Beschreibung unseres Zustandes „nach der Natur“.

Dr. Lukas Held


ÜMT: Gut Schreiben für Historiker (040117)
Das Schreiben gehört zum Beruf des Historikers. Aber wie schreibt man Texte, die man mit Genuss liest, die sich im Gedächtnis festkrallen – und wie vereinbart man das mit den Geboten der Wissenschaftlichkeit? Diese Übung diskutiert gutes Schreiben in der Geschichtswissenschaft mit dem Ziel, Studierende beim Verfassen von attraktiven populärwissenschaftlichen Texten zu unterstützen. Sie versteht sich als methodisches offenes, praxisorientiertes Forum für alle, denen ein guter (Schreib-)Stil am Herzen liegt und die über die einschlägigen Fragen ergebnisoffen diskutieren möchten. Dabei geht es zugleich um Einblicke in mögliche Berufsfelder für HistorikerInnen. Prof. Uekötter bietet dieses Übung regelmäßig im Sommersemester an. TeilnehmerInnen sollten das Integrierte Proseminar (IPS) erfolgreich absolviert haben und mit dem Schreiben einer wissenschaftlichen Hausarbeit vertraut sein.

Prof. Dr. Frank Uekötter

 

Kolloquium: Gemeinsames Kolloquium der Osteuropäischen Geschichte und Technik- und Umweltgeschichte (040240)

16.4.2025

GA 04/149

Marie Schneider (Bochum)

Alternative auf dem Land – das Land als Alternative? Die Entstehung eines neuen Milieus im ländlichen Raum (1970–1990)

23.4.2025

GA 04/149

Hannes Schrader (Hamburg/Berlin)

Das Pergamonster: Wie ich ohne Kontakte, Ahnung und Vorwissen investigativ zu einem deutschen Bauprojekt recherchierte (und warum Sie das auch können)

30.4.2025

GA 04/149

Timo Mohr (München)

Thawing Arctic, Freezing Relations? Shifting Energy Relations between Russia, Japan, and Northeast Asia in Contemporary Times

8.5. 2025 (Donnerstag)

UB 1/09

PD Dr. Anna Veronika Wendland (Marburg)

Umwelt und Krieg: Ökosysteme und technische Infrastrukturen im Fadenkreuz des russischen Angriffs auf die Ukraine

Kolloquium des Osteuropa Kollegs NRW

14.5.2025

UB 1/09

Prof. Dr. Oksana Nagornaia (Berlin)

Militarisierte Umwelt: Natur und Raum an der Ostfront des Ersten Weltkrieges

Kolloquium des Osteuropa Kollegs NRW

21.5.2025

UB 1/09

Dr. Olesya Khromeychuk (London)

Writing War: History, Knowledge, and Resistance

Kolloquium des Osteuropa Kollegs NRW

28.5.2025

GA 04/149

Prof. Dr. Natalia Ryzhova (Olmouc/Bochum)

In Search of Monocultures for the New Socialist Agroproduction: Experiments with Soybeans in Ukraine and the Caucasus in the 1930s

4.6.2025

UB 1/09

Dr. Jörg Morré (Berlin)

Ein Museum gegen den Krieg: Geschichte des deutsch-russischen Erinnerungsprojekts in Berlin-Karlshorst

Kolloquium des Osteuropa Kollegs NRW

18.6.2025

GA 04/149

Dr. Stefanie Palm (München)

Hans-Christoph Seebohm: Erster Bundesverkehrsminister und rechtskonservativer Politiker

25.6.2025

GA 04/149

Prof. Dr. Jan Arend (Tübingen/München)

Sollte man einen Wissenschaftspreis nach Fritz Scheffer benennen? Ein Bericht aus der Werkstatt des wissenschaftshistorischen Gutachters

2.7.2025

GA 04/149

Dr. Benjamin Beuerle (Berlin)

Erneuerbare Energien in der Sowjetunion und im postsowjetischen Raum: Perspektiven, Motive und Kapazitäten im Wandel

3.7.2025

UB 1/09

Prof. Dr. Riccardo Nicolosi (München)

Putins Kriegsrhetorik (Buchvorstellung und Diskussion)

9.7.2025

UB 1/09

Prof. Dr. Ulrich Schmid (St. Gallen)

Umweltschutz im Kalten Krieg: der Dienstschriftsteller Leonid Leonov und der Dissident Oleg Volkov

Kolloquium des Osteuropa Kollegs NRW

Prof. Dr. Sören Urbansky und Prof. Dr. Frank Uekötter

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2024/25

Vorlesung: Capitalism. The Full Story (slightly abridged) [Kapitalismus: Eine Wirtschaftsgeschichte der globalen Moderne]. (040012)
In modern history, capitalism is the elephant in the room: a production regime with unsurpassed efficiency that is ever-changing and comes with plenty of side effects. The lecture provides an overview of the making of capitalism, its transformation in the 19th and 20th century, and its endurance in the 21st. It makes a special point of exploring key concepts that shape our understanding of capitalism. In short, this lecture provides students with the tools and terms that they need to make sense of capitalism – to the extent that capitalism makes sense.

Prof. Dr. Frank Uekötter

Hauptseminar: Siedler. Eine Weltgeschichte. (040165)
Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung steht ein Projekt der globalen Moderne, das uns völlig fremd geworden ist. Europäer sichern sich neues Land, meist jenseits des eigenen Kontinents, wirtschaften erfolgreich in neuen Umwelten und bauen Gemeinschaften, Gesellschaften, Nationen – in stets spannungsvollem Wechselspiel mit der einheimischen Bevölkerung bis hin zum Genozid. Die USA, Australien, Algerien und Zimbabwe stehen für vier von zahlreichen Wegen der Entwicklung, die in diesem Hauptseminar im welthistorischen Ausblick diskutiert werden sollen. Es geht um die Genese und Konsolidierung von Siedlergemeinschaften, den Konflikt mit indigenen Menschen, die Folgen für Menschen, Gesellschaften und Umwelten und die Erinnerung an die Landnahme und die damit verbundenen Konflikte. „Settler colonialism“ ist auch ein politischer Schlüsselbegriff des 21. Jahrhunderts

Prof. Dr. Frank Uekötter

Hauptseminar: Die Geschichte der Atomkraft. Hoffnungen, Realitäten, Bomben. (040169)
Atomkraft ist wieder schick: Eine Mehrheit der Bundesbürger war gegen die Abschaltung der letzten deutschen Kernkraftwerke im April 2023. Es ist die jüngste Wendung in einer Geschichte, die seit dem Zweiten Weltkrieg Politik und Wirtschaft, Gesellschaft und Rüstung nachhaltig geprägt hat. Das Hauptseminar diskutiert die Entwicklung mit einem Schwerpunkt auf Deutschland und spannt den Bogen von den Hoffnungen und Ängsten der Adenauerzeit über den Bauboom in den siebziger Jahren und dem Aufstieg einer zivilgesellschaftlichen Bewegung. Dabei thematisiert die Veranstaltung auch die Atomgeschichte seit den achtziger Jahren, die bislang von der historischen Forschung erst bruchstückhaft behandelt worden ist. Das Ende der nuklearen Stromerzeugung in Deutschland ist auch eine Chance für eine Atomgeschichte, in der die Frage nach Pro und Contra nicht mehr überwältigend ist – auch wenn die Nachzerfallswärme vergangener Konflikte weiterhin zu spüren ist.

Prof. Dr. Frank Uekötter

Seminar: Natur und Gemeinschaft im langen 20. Jahrhundert. (040089)
Warum bleiben die auf Klimagipfeln vereinbarten Ziele zum Schutz des Planeten häufig hinter dem zurück, was eigentlich notwendig wäre? Weil, so argumentiert der französische Philosoph Pierre Charbonnier in seinem vielbeachteten Buch Überfluss und Freiheit (dt. 2022), die Erde seit dem 17. Jahrhundert als unerschöpfliche Quelle von Wohlstand und Wachstum gedacht wird und die politischen Ökonomien moderner Staaten grundlegend auf dieser Idee aufbauen. Doch welche alternativen Naturvorstellungen sind parallel zu dieser bis heute dominierenden Idee entstanden und welche anderen Formen des Zusammenlebens hat man daraus abgeleitet? Im Rahmen des Seminars lernen wir einige Ansätze aus dem langen 20. Jahrhundert kennen, die das Verhältnis von Natur und Gemeinschaft neu auszurichten such(t)en (u.a. Ökosozialismus, Gartenstadtbewegung, Commons-Bewegung, Öko-Feminismus, Konvivialismus). Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Frage des Bodenbesitzes und des Ressourcenmanagements. Die Arbeitshypothese lautet: In jeder Vorstellung von Natur sind implizit auch Vorstellungen des Zusammenlebens enthalten und umgekehrt – Gemeinschaftsvorstellungen beinhalten stets spezifische Ideen von Natur und Umwelt.

Dr. Lukas Held

ÜMT: Der Planet. Geschichte einer neuen politischen Kategorie. (040115)
Wir leben in einer Zeit, in der die Frage des Überlebens politisch geworden ist. Angesichts immer häufiger werdender Umweltkatastrophen, global zirkulierender Pandemien, Wasserknappheit und dem beschleunigten Aussterben ganzer Arten ist unser Planet für den Menschen genauso wie für Tiere und Pflanzen zunehmend unbewohnbar geworden. Die Dringlichkeit dieser Bedrohungslage wird global freilich ungleich empfunden. Seit gut 15 Jahren fordern Wissenschaftler:innen unterschiedlicher Disziplinen daher die Einübung eines “planetaren Denkens”, mit dem ein neues Verantwortungsbewusstsein ausgebildet werden soll, das auf die Möglichkeitsbedingungen für Leben überhaupt gerichtet ist. Verbunden ist mit dieser Forderung nicht nur eine Weitung des Blicks, sondern auch die Dezentrierung des Menschen zugunsten einer Weltsicht, in der auch nicht-menschlichen Kräfte Beachtung finden sollen. In der Übung wollen wir nach der Herkunft, den Möglichkeiten und Vorteilen, aber auch den Gefahren und Schwierigkeiten dieser neuen Perspektive fragen. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit theoretisch-programmatischen Texten des Planetarismus und ersten planetarischen Erzählungen, die die Zusammenführung von menschlicher Geschichte und Erdgeschichte beispielhaft vorführen.

Dr. Lukas Held

Kolloquium: Sozialgeschichte und soziale Bewegungen. (040243)
Das Kolloquium diskutiert neue Forschungen zur Geschichte des globalen Kapitalismus. Das Programm können Sie hier downloaden.

Prof. Dr. Stefan Berger und Prof. Dr. Frank Uekötter

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2024

Vorlesung: Umweltbewegt! Eine Geschichte des ökologischen Protests. (040013)

Ohne ökologische Bewegungen sähe unsere Welt anders aus. Sie forderten Veränderungen von staatlichen Autoritäten, Konzernen und Mitbürgern, sie warben um Mitglieder und öffentliche Aufmerksamkeit, und manchmal gingen sie anderen Menschen auch gehörig auf die Nerven. Ganz nebenbei schrieben sie auch ihre eigene Geschichte. All das macht soziale Bewegungen zu einem Schlüsselthema der Umweltgeschichte – und zu einer Herausforderung für die historische Forschung, denn diese muss diese Geschichte ohne archimedischen Punkt und methodische Königswege auf wissenschaftlich korrekte und politisch verantwortbare Weise erzählen. Die Vorlesung bietet einen breiten thematischen Überblick über Proteste und Bewegungen vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Ein besonderer Schwerpunkt liegt darauf, deutsche Erfahrungen im globalen Zusammenhang zu diskutieren.

Prof. Dr. Frank Uekötter

Hauptseminar: Die Grünen. Eine deutsche Geschichte. (040173)

Seit 45 Jahren gibt es in der Bundesrepublik eine grüne Partei. Aber wie schreibt man deren Geschichte? Eine mögliche Erzählung handelt von den großen Idealen der Anfangsjahre, die danach scheibchenweise aufgegeben wurden. Eine Gegenerzählung präsentiert die Grünen als Musterfall für die Lernfähigkeit der bundesdeutschen Politik: von wilden Forderungen und wilden Frisuren zu einem Eckpfeiler unserer Demokratie. Es ist offenkundig, dass die Grünen mit ihren Forderungen und ihrem Verhaltensstil die Bundesrepublik verändert haben – und das über die Politik hinaus. Das Hauptseminar versucht sich an einem Überblick über eine ziemlich bunte Geschichte, die zugleich eine Mikrogeschichte der Bundesrepublik ist.

Prof. Dr. Frank Uekötter

Hauptseminar: Der andere Strukturwandel. Westfalen als Agrarland seit dem späten 19. Jahrhundert. (040167)

Im späten 19. Jahrhundert war Westfalen jenseits des Ruhrkohlenbezirks noch ein weithin agrarisch geprägtes Land. Inzwischen sind Landwirte eine kleine Minderheit, deren Unzufriedenheit in den jüngsten Bauernprotesten offenkundig wurde. Das Hauptseminar schlägt den Bogen vom Kaiserreich bis in die Gegenwart und diskutiert den umfassenden Wandel von Produktionsmethoden, sozialen Beziehungen, Geschlechterrollen und ökologischen Folgen. Westfalen wird dabei als ein geographischer Raum betrachtet, dessen Agrargeschichte in mehrfacher Hinsicht von nationalen und europäischen Akteuren geprägt wurde. Es geht um einen Wirtschaftszweig und um Lebenswelten, um Subventionen und andere politische Konfliktfelder und nicht zuletzt um das, was hinter der bunten Warenwelt im Supermarkt steckt. Man lernt eine Menge über ein Land und seine Bewohner, wenn man sich mit Nahrungsmitteln beschäftigt.

Prof. Dr. Frank Uekötter

Kolloquium: Die Geschichte von COVID-19 (Erster Entwurf). (040243)

Vier Jahre sind vergangen, seit die Welt in den Lockdown ging. Inzwischen ist deutlich, dass die Pandemie zentrale Problemfelder der zeithistorischen Forschung tangierte: Vernetzung der Weltwirtschaft, Autorität der Wissenschaft, Kommunikation in Zeiten der sozialen Medien, Möglichkeiten und Grenzen des Wohlfahrtsstaats. Viele der Fragen, die Wissenschaftler in den vergangenen Jahren diskutiert haben, erscheinen in neuem Licht, und es gibt auch ein paar neue Fragen. Höchste Zeit also für ein Kolloquium, das gleichzeitig in zwei Richtungen fragt. Es geht um Ursachen, Verlauf und Folgen der Pandemie und um die Konsequenzen für die wissenschaftliche Forschung. Was können wir aus den vergangenen vier Jahren lernen, um etwas besser durch die nächste Krise zu kommen?
Die Veranstaltung ist offen für WissenschaftlerInnen und Studierender aller Fächer.

Prof. Dr. Frank Uekötter

Übung (ÜMT): Moderne Geschichte erzählen. Eine praxisorientierte Übung. (040118)

Das Schreiben gehört zum Beruf des Historikers. Aber wie schreibt man Texte, die man mit Genuss liest, die sich im Gedächtnis festkrallen – und wie vereinbart man das mit den Geboten der Wissenschaftlichkeit? Diese Übung diskutiert gutes Schreiben in der Geschichtswissenschaft mit dem Ziel, Studierende beim Verfassen von attraktiven Texten zu unterstützen. Sie versteht sich als methodisches offenes, praxisorientiertes Forum für alle, denen ein guter (Schreib-)Stil am Herzen liegt und die über die einschlägigen Fragen ergebnisoffen diskutieren möchten.
TeilnehmerInnen sollten das Integrierte Proseminar (IPS) erfolgreich absolviert haben und mit dem Schreiben einer wissenschaftlichen Hausarbeit vertraut sein.

Prof. Dr. Frank Uekötter

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2023/24

Vorlesung: Energie: Industrieprodukt – Konsumgut – Mythos der Moderne. Eine Weltgeschichte. (040012)

Von der Energiewende bis zum russischen Erdgas – die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit zeigen, wie vielschichtig Energiefragen in modernen Gesellschaften sind. Die Vorlesung nimmt diese aktuelle Situation zum Ausgangspunkt für einen breit angelegten Überblick, der deutsche, europäische und globale Perspektiven verbindet. Das Themenspektrum reicht von vormodernen Energiewelten über die Genese und Entwicklung fossiler systemischer Energieregime seit dem 19. Jahrhundert bis zum Aufschwung regenerativer Stromproduktion. Die Vorlesung diskutiert, wie sich Energie in gängige Narrative der modernen Geschichte integrieren lassen und fragt zugleich nach den Möglichkeiten und Grenzen historischer Expertise für die Tagespolitik.

Prof. Dr. Frank Uekötter

Hauptseminar: Die Energie der Moderne. Wege zu einer zeitgemäßen Geschichte. (040169)

Dieses Hauptseminar diskutiert Schlüsselthemen, Methoden und Quellen einer Energiegeschichte der Moderne. Es betrachtet Deutschland im Kontext westlicher Industrieländer sowie im globalen Rahmen. Das Seminarprogramm lehnt sich teilweise an die thematisch verwandte Vorlesung an, weshalb die parallele Teilnahme empfohlen wird. Für Studierende, die an der Vorlesung nicht teilnehmen können, gibt es konzise Zusammenfassungen als Video.

Prof. Dr. Frank Uekötter

Hauptseminar: Umweltgeschichte der alten Bundesrepublik. (040170)

Dieses Hauptseminar bietet eine breit angelegte Einführung in zentrale Themen der bundesdeutschen Umweltgeschichte. Es schlägt den Bogen von den Wirtschaftswunderjahren bis zur Zeit der Wiedervereinigung und diskutiert bundesdeutsche Entwicklungen im internationalen Kontext. Zentrale Themen sind die ökologischen Dimensionen des Konsumrauschs der 1950er und 1960er Jahre, die gegenwärtig als Anthropozän oder „Große Beschleunigung“ diskutiert werden, aber auch die Formierung neuer sozialer Bewegungen und die Genese der modernen Umweltpolitik. Es geht damit zugleich um die Entstehung von institutionellen Strukturen und Gedankenwelten, die der deutschen Umweltdebatte bis heute zugrunde liegen.

Prof. Dr. Frank Uekötter

Übung: Mahlzeit! Geschichte(n) der Ernährung in der globalen Moderne. (040122)

Der Plural im Titel ist Programm. In der Geschichte der Ernährung geht es um Bauern und andere landwirtschaftliche Produzenten, um Großkonzerne und staatliche Akteure und nicht zuletzt um Macht und Ohnmacht des Konsumenten. Zugleich haben Tier- und Pflanzenarten ihre Eigenlogiken, die sich dem Wünschen und Wollen der Menschen widersetzen, und für die großtechnischen Systeme der modernen Agrar- und Lebensmittelindustrie gilt das erst recht. Die Veranstaltung diskutiert damit nicht nur unterschiedliche Perspektiven und Erzählungen rund um das Leitthema, sondern auch die Frage, wie eine vielschichtige Geschichte mit mehr als einem Wertehorizont aussehen kann.

Prof. Dr. Frank Uekötter